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Bernhard
Kegel: Sexy Sons
Schon mit den Vorgängern Das Ölschiefer-Skelett
und Wenzels Pilz bewies Kegel, dass er sehr gut
wissenschaftliche Sachverhalte mit ungewöhnlicher Romanhandlung
verknüpfen kann. Auch sein neues Werk liest sich auf manchen
Seiten eher wie ein Fachartikel über verschiedene Themen,
bleibt aber dennoch spannend und ideenreich. In einer nahen
Zukunft werden viele Kinder durch künstliche Befruchtung
gezeugt, ausgesucht aus den Katalogen der Samenbanken. Als einem
der erfolgreichsten Industriebosse eine neu gezüchtete
Bakterie gestohlen wird, die weltweit jede Ölpest angeblich
ohne Nebenwirkungen bekämpfen kann, beginnt nicht nur für
ihn eine schwere Auseinandersetzung mit den Folgen eines egoistischen
Klonversuchs und der Unberechenbarkeit der Natur. -gk
Bernhard Kegel: Sexy Son, Fischer Verlag, 464 Seiten, 9,90 Euro
Galsan
Tschinag: Die Karawane
Tschinag wurde in der Mongolei geboren, lebte aber auch lange
Zeit in Deutschland, wo er 2002 das Bundesverdienstkreuz erhielt.
1995 führte er in einer spektakulären Karawane sein
Volk der Tuwa über 2000 km weit zurück in die Heimat,
aus der sie in den 60er Jahren zwangsumgesiedelt wurden. Seine
Erzählung darüber gliedert sich stilistisch in zwei
recht unterschiedliche Teile: Zuerst springt er in vielen kurzen
Kapiteln zwischen den Jahrzehnten hin und her und beschreibt
in poetischer Sprache viele einzelne Ereignisse, die ein anschauliches
Bild über die Situation ergeben. In der zweiten Hälfte
wird dann in Tagebuchauszügen die Karawane selbst geschildert.
Besser als viele erfundene Geschichten ist dieses Buch eine
Parabel über das Leben, die Menschen und die Suche nach
Idendität, und besser als in bunt bebilderten Artikel im
Geo oder im Spiegel lernt man hier ein Volk und seine Geschichte
kennen. -gk
Galsan Tschinag: Die Karawane, Unionsverlag, 186 Seiten, 8,90
Euro
Wolfgang
Burger: Der Mord des Hippokrates
Als der
Roman beginnt, ist der Mord bzw. Totschlag schon passiert. Der
Arzt Quentin hat eine junge Griechin umgebracht, die er kaum
kannte, mit der er nur eine Liebesnacht verbrachte. Im Kopf
des Ich-Erzählers jagen sich die Gedanken und die Erinnerungen.
Nach und nach erfährt der Leser, wie es zur unbegreiflichen
Tat gekommen ist, wie ein angesehener, reicher Arzt binnen weniger
Stunden nicht nur das Leben eines anderen Menschen, sondern
auch seine eigene, nach außen hin beneidenswerte Existenz
vernichtet hat. In seinem neuen Roman ist Wolfgang Burger seiner
Heimatstadt Karlsruhe und dem bewährten Krimiteam um Kriminalkommissar
Petzold untreu geworden. Schauplatz ist Heidelberg und die Polizei
hat nicht viel zu bestellen in diesem Psychodrama eines Mannes
auf Abwegen. Wenn man erst in den Sog dieses Krimis geraten
ist, dann läßt er einen nicht mehr los. Der Erzähler
Burger präsentiert sich in Bestform, der Offenbarungseid
eines Halbgottes in Weiß ist durchtränkt von grimmigen
Humor und geprägt von schonungsloser Menschenkenntnis.
So ist die Spannung, die er erzeugt, kein Oberflächeneffekt,
sondern die Folge der inneren Spannungen des Anti-Helden, der
wie im Rausch und dennoch wachen Sinnes seine Selbstdemontage
erlebt. Ach ja und ein paar Vorschläge für eine nachhaltige
Gesundheitsreform gibt es obendrein. PS. Ein neuer Karlsruhe-Krimi
von Burger ist bereits fertig und soll noch im Herbst erscheinen
-ko
Wolfgang Burger: Der Mord des Hippokrates, Leda-Verlag Leer,
160 Seiten, 9,90 Euro
Ingrid Noll: Rabenbrüder
In diesem
Sommer brauchten auch Klappe-Auf-Mitarbeiter leichte Lektüre.
Das bietet Ingrid Nolls neuer Krimi Rabenbrüder.
Paul und Achim sind zwei ungleiche Geschwister. Der eine ist
als Anwalt etwas arbeitsscheu, der andere ein Windhund und Lebemann.
Scheinbar urplötzlich stellt sich ein Nachbar ihrer Mutter
als deren Liebhaber heraus, worauf nicht nur der cholerische
Vater stirbt, sondern auch eben dieser Lover ermordet wird.
Nicht genug: Wie weiland Uwe Barschel scheidet schließlich
die Mutter in der Badewanne dahin. Ingrid Noll schafft es, ironisch
und distanziert eine Familienwelt zu sezieren, in der sich Abgründe
auftun. Paul hat die Ex-Frau eines Freundes zur Geliebten und
Achim hat Spielschulden. Ein Autounfall, bei der Pauls Frau
Annette mittlere Blessuren davon trägt, verkompliziert
die Lage drastisch. Ingrid Nolls Figuren sind einfach. Da sind
der cholerische Vater, die rätselhafte Mutter, der gutmütige,
aber schwache Paul, der schleimige Lügner Achim, der gut
gebaute Liebhaber, die unsympathische Geliebte und die unschuldige
Annette, die unter dem ganzen Familienschlamassel leidet. Dennoch
sind die Rabenbrüder eine aufregend-leichte
Lektüre, zumal jeder Leser eine Familie hat, in der nicht
alles koscher ist, wenn auch in weniger pathologischer Form
als bei Ingrid Noll. - maske
Ingrid Noll: Rabenbrüder. Roman, Diogenes-Verlag, 280 Seiten,
19,90 Euro.
Lesen lassen
Wenn Karlsruher aus ihrem Lieblingsbuch vorlesen
Die Zeit,
in der die Dichter schweigen, ist vorbei. Nach der Sommerpause
tun sie wieder den Mund auf. Gunzi Heil z.B., Liedermacher,
Parodist, Fest-Sänger, der es in letzter Zeit
zu einer regionalen Berühmtheit gebracht hat. Am 6. (20
Uhr) ist er dabei in der Stadtbibliothek im Neuen Ständehaus,
wenn Karlsruher fünf bis zehn Minuten aus ihrem Lieblingsbuch
vorlesen. Die Stadtbibliothek, die nun seit 10 Jahren im Ständehaus
ist, will mit dieser Veranstaltung beweisen, dass auch in Karlsruhe
gelesen wird. Man kann nur hoffen, dass der Beweis auch gelingt.
Aber wenn Gunzi Heil mit von der Partie ist, kann es eigentlich
nicht ganz schief gehen.
Zum Jahr der Bibel
Nach einem Aussetzer im August wird auch die Reihe Bibel
in dürftiger Zeit, die Gemeinschaftsveranstaltung
der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe, der Evangelischen Akademie
Baden und der Literarischen Gesellschaft zum Jahr der Bibel,
fortgesetzt. Professor Dr. Klaus Engelhardt, der ehemalige Landesbischof
der Evangelischen Landeskirche, spricht am 25. um 19.30 Uhr
in der Kleinen Kirche zum Thema Bibel und Zeit.
Häuptling
Eigener Herd
Es gibt sie, die Kunst in Rheinstetten, und das sogar offiziell,
seit sich aus einer Projektgruppe des SPD-Ortsvereins, der Kulturveranstalter
Kunst in Rheinstetten formiert hat. Am 14. (20 Uhr)
präsentiert man mit Vincent Klink einen weithin bekannten
Meister der Kochkunst, der zudem auch noch literarisch und musikalisch
versiert ist. Der Chefkoch des Nobelrestaurants Wielandshöhe
liest aus seinem neuen Buch Häuptling Eigener Herd
und Musik will er auch noch machen. Wohl bekomm´s.
Nicht
nur für Elefantenohren
Am selben Abend (14., 19 Uhr) bietet der Karlsruher Zoo eine
Lesung der ganz besonderen Art. In der Außenanlage der
Elefanten - bei Regenwetter im Elefantenhaus - liest der Schauspieler
Harald Heinz Texte des im Tierschutz engagierten Autors Heathcote
Williams. Es sind poetische Liebeserklärungen an den vegetarischen
Dickhäuter, umrahmt von den Sitarklängen von Ashok
Nair. Im Eintrittspreis enthalten sind die Getränke, die
serviert werden. Karten gibt es an allen Zookassen.
Wahnsinn
Der alltägliche Wahnsinn steht am 24. September, um 20.15,
auf dem Programm des Sandkorn-Theaters. Matthias Kehle und Harald
Schwiers versuchen ihn in eigenen Geschichten und den Texten
anderer Autoren fassbar zu machen. Zu hören gibt es unter
anderem die Pappert-Geschichten von Matthias Kehle, die Ende
September veröffentlicht werden. Ist ja der Wahn! -Ko .
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