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  Samstag, 04.02.2012       Besucht: 15:03:00
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Bernhard Kegel: Sexy Sons
Schon mit den Vorgängern „Das Ölschiefer-Skelett“ und „Wenzels Pilz“ bewies Kegel, dass er sehr gut wissenschaftliche Sachverhalte mit ungewöhnlicher Romanhandlung verknüpfen kann. Auch sein neues Werk liest sich auf manchen Seiten eher wie ein Fachartikel über verschiedene Themen, bleibt aber dennoch spannend und ideenreich. In einer nahen Zukunft werden viele Kinder durch künstliche Befruchtung gezeugt, ausgesucht aus den Katalogen der Samenbanken. Als einem der erfolgreichsten Industriebosse eine neu gezüchtete Bakterie gestohlen wird, die weltweit jede Ölpest angeblich ohne Nebenwirkungen bekämpfen kann, beginnt nicht nur für ihn eine schwere Auseinandersetzung mit den Folgen eines egoistischen Klonversuchs und der Unberechenbarkeit der Natur. -gk
Bernhard Kegel: Sexy Son, Fischer Verlag, 464 Seiten, 9,90 Euro

Galsan Tschinag: Die Karawane
Tschinag wurde in der Mongolei geboren, lebte aber auch lange Zeit in Deutschland, wo er 2002 das Bundesverdienstkreuz erhielt. 1995 führte er in einer spektakulären Karawane sein Volk der Tuwa über 2000 km weit zurück in die Heimat, aus der sie in den 60er Jahren zwangsumgesiedelt wurden. Seine Erzählung darüber gliedert sich stilistisch in zwei recht unterschiedliche Teile: Zuerst springt er in vielen kurzen Kapiteln zwischen den Jahrzehnten hin und her und beschreibt in poetischer Sprache viele einzelne Ereignisse, die ein anschauliches Bild über die Situation ergeben. In der zweiten Hälfte wird dann in Tagebuchauszügen die Karawane selbst geschildert. Besser als viele erfundene Geschichten ist dieses Buch eine Parabel über das Leben, die Menschen und die Suche nach Idendität, und besser als in bunt bebilderten Artikel im Geo oder im Spiegel lernt man hier ein Volk und seine Geschichte kennen. -gk
Galsan Tschinag: Die Karawane, Unionsverlag, 186 Seiten, 8,90 Euro

Wolfgang Burger: Der Mord des Hippokrates

Als der Roman beginnt, ist der Mord bzw. Totschlag schon passiert. Der Arzt Quentin hat eine junge Griechin umgebracht, die er kaum kannte, mit der er nur eine Liebesnacht verbrachte. Im Kopf des Ich-Erzählers jagen sich die Gedanken und die Erinnerungen. Nach und nach erfährt der Leser, wie es zur unbegreiflichen Tat gekommen ist, wie ein angesehener, reicher Arzt binnen weniger Stunden nicht nur das Leben eines anderen Menschen, sondern auch seine eigene, nach außen hin beneidenswerte Existenz vernichtet hat. In seinem neuen Roman ist Wolfgang Burger seiner Heimatstadt Karlsruhe und dem bewährten Krimiteam um Kriminalkommissar Petzold untreu geworden. Schauplatz ist Heidelberg und die Polizei hat nicht viel zu bestellen in diesem Psychodrama eines Mannes auf Abwegen. Wenn man erst in den Sog dieses Krimis geraten ist, dann läßt er einen nicht mehr los. Der Erzähler Burger präsentiert sich in Bestform, der Offenbarungseid eines Halbgottes in Weiß ist durchtränkt von grimmigen Humor und geprägt von schonungsloser Menschenkenntnis. So ist die Spannung, die er erzeugt, kein Oberflächeneffekt, sondern die Folge der inneren Spannungen des Anti-Helden, der wie im Rausch und dennoch wachen Sinnes seine Selbstdemontage erlebt. Ach ja und ein paar Vorschläge für eine nachhaltige Gesundheitsreform gibt es obendrein. PS. Ein neuer Karlsruhe-Krimi von Burger ist bereits fertig und soll noch im Herbst erscheinen -ko
Wolfgang Burger: Der Mord des Hippokrates, Leda-Verlag Leer, 160 Seiten, 9,90 Euro


Ingrid Noll: Rabenbrüder

In diesem Sommer brauchten auch Klappe-Auf-Mitarbeiter leichte Lektüre. Das bietet Ingrid Nolls neuer Krimi „Rabenbrüder“. Paul und Achim sind zwei ungleiche Geschwister. Der eine ist als Anwalt etwas arbeitsscheu, der andere ein Windhund und Lebemann. Scheinbar urplötzlich stellt sich ein Nachbar ihrer Mutter als deren Liebhaber heraus, worauf nicht nur der cholerische Vater stirbt, sondern auch eben dieser Lover ermordet wird. Nicht genug: Wie weiland Uwe Barschel scheidet schließlich die Mutter in der Badewanne dahin. Ingrid Noll schafft es, ironisch und distanziert eine Familienwelt zu sezieren, in der sich Abgründe auftun. Paul hat die Ex-Frau eines Freundes zur Geliebten und Achim hat Spielschulden. Ein Autounfall, bei der Pauls Frau Annette mittlere Blessuren davon trägt, verkompliziert die Lage drastisch. Ingrid Nolls Figuren sind einfach. Da sind der cholerische Vater, die rätselhafte Mutter, der gutmütige, aber schwache Paul, der schleimige Lügner Achim, der gut gebaute Liebhaber, die unsympathische Geliebte und die unschuldige Annette, die unter dem ganzen Familienschlamassel leidet. Dennoch sind die „Rabenbrüder“ eine aufregend-leichte Lektüre, zumal jeder Leser eine Familie hat, in der nicht alles koscher ist, wenn auch in weniger pathologischer Form als bei Ingrid Noll. - maske
Ingrid Noll: Rabenbrüder. Roman, Diogenes-Verlag, 280 Seiten, 19,90 Euro.


Lesen lassen
Wenn Karlsruher aus ihrem Lieblingsbuch vorlesen

Die Zeit, in der die Dichter schweigen, ist vorbei. Nach der Sommerpause tun sie wieder den Mund auf. Gunzi Heil z.B., Liedermacher, Parodist, „Fest“-Sänger, der es in letzter Zeit zu einer regionalen Berühmtheit gebracht hat. Am 6. (20 Uhr) ist er dabei in der Stadtbibliothek im Neuen Ständehaus, wenn Karlsruher fünf bis zehn Minuten aus ihrem Lieblingsbuch vorlesen. Die Stadtbibliothek, die nun seit 10 Jahren im Ständehaus ist, will mit dieser Veranstaltung beweisen, dass auch in Karlsruhe gelesen wird. Man kann nur hoffen, dass der Beweis auch gelingt. Aber wenn Gunzi Heil mit von der Partie ist, kann es eigentlich nicht ganz schief gehen.
Zum Jahr der Bibel
Nach einem Aussetzer im August wird auch die Reihe „Bibel in dürftiger Zeit“, die Gemeinschaftsveranstaltung der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe, der Evangelischen Akademie Baden und der Literarischen Gesellschaft zum Jahr der Bibel, fortgesetzt. Professor Dr. Klaus Engelhardt, der ehemalige Landesbischof der Evangelischen Landeskirche, spricht am 25. um 19.30 Uhr in der Kleinen Kirche zum Thema „Bibel und Zeit“.

Häuptling Eigener Herd
Es gibt sie, die Kunst in Rheinstetten, und das sogar offiziell, seit sich aus einer Projektgruppe des SPD-Ortsvereins, der Kulturveranstalter „Kunst in Rheinstetten“ formiert hat. Am 14. (20 Uhr) präsentiert man mit Vincent Klink einen weithin bekannten Meister der Kochkunst, der zudem auch noch literarisch und musikalisch versiert ist. Der Chefkoch des Nobelrestaurants „Wielandshöhe“ liest aus seinem neuen Buch „Häuptling Eigener Herd“ und Musik will er auch noch machen. Wohl bekomm´s.

Nicht nur für Elefantenohren
Am selben Abend (14., 19 Uhr) bietet der Karlsruher Zoo eine Lesung der ganz besonderen Art. In der Außenanlage der Elefanten - bei Regenwetter im Elefantenhaus - liest der Schauspieler Harald Heinz Texte des im Tierschutz engagierten Autors Heathcote Williams. Es sind poetische Liebeserklärungen an den vegetarischen Dickhäuter, umrahmt von den Sitarklängen von Ashok Nair. Im Eintrittspreis enthalten sind die Getränke, die serviert werden. Karten gibt es an allen Zookassen.

Wahnsinn
Der alltägliche Wahnsinn steht am 24. September, um 20.15, auf dem Programm des Sandkorn-Theaters. Matthias Kehle und Harald Schwiers versuchen ihn in eigenen Geschichten und den Texten anderer Autoren fassbar zu machen. Zu hören gibt es unter anderem die Pappert-Geschichten von Matthias Kehle, die Ende September veröffentlicht werden. Ist ja der Wahn! -Ko .

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