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  Samstag, 04.02.2012       Besucht: 15:02:41
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Schriftsteller Thomas Liebscher
"Ich hör die Leut gern lache."

"Die Felder schmiege sich an sanfte Hibbel hie./Die Wengert stehe grad und grupft./Beschaulich, lieblich, wie mer´s nimmt,/die Londschaft scheint grad nohgedupft." Der Kraichgau ist eine unspektakuläre Region. Autobahn, Bundes- und Landstrassen, Bundesbahntrassen zerteilen die hügelige Landschaft, die nach der Flurbereinigung der 60er Jahre schön übersichtlich geworden ist, die meisten Hohlwege und Feldraine wurden plattgemacht, die vielen unrentablen Äckerchen zu großen Anbauflächen zusammengelegt. Und dennoch hat diese Gegend zwischen Karlsruhe und Heidelberg ihre schönen Flecken, ihre lauschigen Winkel, man muß sie nur zu finden wissen.

Der Kraichgau ist die Heimat von Thomas Liebscher (geboren 19961 in Bruchsal), hier ist er aufgewachsen, hier lebt er noch immer, er kennt die Landschaft und die Leute. Aber ein Heimatdichter im herkömmlichem Sinne ist er deshalb oder gerade deswegen nicht geworden. In seinen Prosatexten und Gedichten findet sich das Ursprüngliche neben dem Modernen, das Schöne neben dem Häßlichen. In dem oben zitierten Gedicht "Kraichgauwannerung" heißt es ein paar Zeilen weiter: "Un dort, e Stickl weiter noch,/ werd die nei Bundesstroß vermesse". Liebscher gelingt es unsere komplexe widersprüchliche Gegenwart in seiner Mundart zum Sprechen zu bringen. Das hat ganz bestimmt auch damit zu tun, dass er quasi von Beruf Zeitzeuge ist.

Seit 1989 ist er Redakteur bei den Badischen Neuesten Nachrichten, seit einiger Zeit arbeitet er für die BNN-Sonntagszeitung "Der Sonntag". Als Schriftsteller ist er ein Spätzünder, aber gerade deshalb ist er auch gleich aus dem Gröbsten herausgekommen. Die privatisierende Erlebnislyrik, die vor allem den eigenen Seelenzustand zum Gegenstand hat, war und ist seine Sache nicht. Dass er einmal als Mundartautor reüssieren würde, hat er sich nicht träumen lassen, als er anfing Gedichte zu schreiben - in Hochdeutsch und Mundart. Die Mundartgedichte haben einigen Leuten besonders gefallen und dann gab es da noch den jungen Verlag Regionalkultur in Ubstadt-Weiher, der nach Autoren suchte, und den Mundartwettbewerb, bei dem er seine ersten Sächelchen einreichte und auch prompt einen Preis gewann. Weitere Preise sollten folgen. Drei Liebscher-Bücher gibt es mittlerweile: "Ins Heimatmuseum"(1993), "Besser wie nix" (1997) und "Isch doch wohr"(2000) .

Mundart-Literatur....liebevoll- ironisch

Es sind schöne Bücher, in denen die Liebscher- Texte und die stillen, aber beredten Kraichgau-Bilder des Fotografen Hans-Peter Safranek miteinander zu korrespondieren scheinen. Über Publikumszuspruch bei seinen Lesungen in der Region kann er sich nicht beklagen. Meist tritt er zusammen mit der Folkgruppe "Gout d´hier" auf: "Eine Viertelstunde Text, zehn Minuten Musik, eine Viertelstunde Text...", so lautet dann die lockere Programmfolge. Manchmal sind Kollegen mit dabei, z..B Traudel Kern mit ihren Liedern "uff pälzisch". "Literarische Unterhaltung" nennt er das und er macht es gerne: "Ich hör die Leut gern lache". .

Vorbilder sind für ihn alle Dichter, die er mag, der Vergangenheit und der Gegenwart. Wer will und kann mag diese Vorbilder aus seinen Texten herauslesen. Große Literatur und das Alltagsgerede kleiner Leute, das geht bei Liebscher sehr gut zusammen.

Das erste Motoball-Gedicht der Welt

Und noch eines kann man seinen Gedichten und Prosastücken entnehmen: Thomas Liebscher ist Sportfan. Er hat das erste Motoball-Gedicht der Welt geschrieben ("Fußball ufm Motorrad") und auch die Ringer aus Wiesental hat er literarisch verewigt ("Wissedal gege Schifferstadt"), aber seine große Liebe gehört dem Fußball.Es ist keine platonische Beziehung. Er stürmt in einer Mannschaft zu allem entschlossener Freizeitkicker und hat sich in vielen Zeitungsartikeln kompetent mit Geschichte und Theorie des Fußballs befasst. Thomas Liebscher, der seit der Kindheit nicht nur Fußball, sondern auch Klarinette spielt, hat in der Mundart-Literatur gerade in seiner Vielseitigkeit einen eigenen liebevoll- ironischen kraichgauerischen Ton gefunden, einen Liebscher-Ton eben. Wer ihn hören will, der kann sich die CD "Wie´s Lebe isch"(mit Liebscher und anderen Mundart-Autoren) kaufen und/oder am 15. um 20.15 ins Landesgewerbeamt gehen. Da liest Thomas Liebscher zum Auftakt der Karlsruher Bücherschau.Des isch wohr un besser wie nix. Ko

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